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Atma Pöschl arbeitet als Körpersexualtherapeutin in Wien. Sie ist ausgebildet in Intimer Heilungsmassage, prozessorientierter Körperarbeit und Integrativer Körperpsychotherapie, geschult an der UC Los Angeles und Columbia University NY. In ihrer Arbeit begleitet sie GenießerInnen, speziell Menschen mit Gewalterfahrung oder ohne Berührungserfahrungen, am Weg zu ehrlichem Kontakt und einer auf allen Ebenen befriedigenden Sexualität.
Als Körpertherapeutin gilt ihr spezielles Interesse der Arbeit mit starken Gefühlen. BDSM interessiert sie weder als Identität, noch als Lifestyle, und auch nicht als Maske, hinter der Menschen sich verstecken. Für sie ist BDSM eine von vielen Möglichkeiten tiefer Begegnung und Berührung. Und die Differenzierung in heiligen und dunklen Sex findet sie unnötig und destruktiv: „Heilig“ kommt ja von „heil“ und meint „ganz“, Licht und Schatten, Wellenberg, Wellental und alle Nuancen der ganzen bunten Gefühlspalette: Dieser ehrliche Kontakt mit uns selbst bedeutet Lebendigkeit und Wachstum, auch in der Sexualität.
Atma leitet in Wien die Offene Gruppe „BDSM / Heilige Sexualität“. Sie gibt international Workshops, und ihr Angebot bietet spannende Räume für Berührung und Kontakt. Ihre Seminare und Einzelarbeit sind Lehrstunden, in denen der Körper als Tür zur Lust, zur Selbsterkenntnis und zur Stille erfahren werden kann. Erleuchtung erlangen wir übrigens nicht, indem wir das Licht imaginieren, sondern im Erforschen des Schattens.

Unser Körper speichert so genannte negative Erinnerungen und wird dadurch hart, taub und gefühllos. Bei körperlicher Nähe können diese eingefrorenen Gefühle wieder an die Oberfläche steigen, und das bedeutet Heilung: mit all unseren Gefühlen wir selbst sein.
Ohrfeigen. Was spüre ich, bevor die Hand auf meine Wange trifft? Welche Gefühle tauchen auf, während ich mit der Hand zum Schlag aushole? Was passiert im Zwischenraum, bevor unsere Körper aufeinander treffen? In diesem Workshop erforschen wir, was es heißt, uns auf den Prozess unserer Gefühle einzulassen. "Gewalt" kommt nicht zuletzt von (althochdeutsch) "waltan" und meint die Stärke, eine Sache in ihrem Inneren zu verändern: Genau das wollen wir tun! Und so spielen wir mit Hingabe und Verletzlichkeit, mit (Un)Lust, Traurigkeit, Angst, Schmerz und allen Nuancen der ganzen bunten Gefühlspalette. Was auch immer da ist, ist gut!
In diesem Workshop erforscht Du beide Rollen: Schlagende_r und Geschlagene_r. Du entscheidest selbst, wie weit Du mit körperlicher Berührung gehen willst: Jede Berührung, vom Augenkontakt übers Streicheln bis zum Schlagen kann tief berühren, lustvoll erregen, und verletzen. Unser Ziel ist weder Schlag noch körperlicher Schmerz, sondern eine tiefe, ehrliche Begegnung mit Dir selbst.

Das „Nein“ in der Liebe
BDSM braucht Grenzen. Es ist weder Gewalt, noch die Bitte darum. Lustvoll inszenierte Grenzen: Das bedeutet BDSM für mich. Ohne Grenzen kann ich mich weder öffnen, noch entspannt (hin)geben. Ohne Grenzen, kein Kontakt. „Glück heißt, unsere Grenzen kennen und lieben,“ sagt Romain Rolland. Davon handelt dieser Workshop.
Aggression als Lebenskraft wird wenig geschätzt. Das Wort Aggression kommt von (lat.) aggredere. Es meint angreifen, oder anpacken: Aggression heißt nicht, dass ich aus dem Kontakt gehe, Dich wegstoße, verletze oder Deine Grenzen überschreite. Nein markiert die Linie, wo ich aufhöre und Du beginnst. Ich ziehe meine Grenze, und berühre Dich – wir sind in Kontakt
Ein ehrliches, spontanes Nein fällt schwer, wenn unsere Grenzen als Kind verletzt wurden. Damals haben wir uns klein gemacht, zurückgezogen, und provozieren damit als Erwachsene doch nur das Gegenteil: Die anderen rücken näher! Als Erwachsene gestalten wir unseren Grenz-Raum schließlich selbst: Steht unser Haus leer, ziehen Fremde ein, die ebenfalls grenzenlos sind, ohne Zuhause. Ziehen wir Grenzen, sind wir Zuhause - und in Kontakt.
Letztlich sind Grenzen spannende Räume für Berührung und Kontakt mit uns selbst. Keine Linien, die es gewaltsam auszulöschen gilt. Als BDSM-Liebende erteile ich keine Befehle: „Reiß meine Mauern nieder, ich kann mich nicht öffnen! Hilf mir ...“ Ich bin im Unterwerfen nicht grenzenlos bedürftig. Und habe als Top nicht nur die sexuelle Befriedigung anderer im Kopf, ich bin berührbar. Ich kann den eigenen Körper und meine Gefühle spüren.
Wie fühlt sich das an? Mein ehrliches Nein kommt aus dem Becken, nicht aus dem Kopf. Es entsteht im Zusammenspiel von Körper, Stimme und Augenkontakt, und braucht entspanntes im Körper Sein. Wie fühlt sich mein Nein an? Was drückt dieses Wort aus? Kann ich damit berühren, und werde ich gehört? Kann ich ein Nein akzeptieren? Oder werde ich traurig, hart, oder gar wütend, wenn Du Grenzen ziehst?
Sex ist kein Synonym für Harmonie, sondern authentischer Selbstausdruck im intimen Kontakt. Befriedigende Sexualität braucht Aggression: ein ehrliches, spontanes „Nein!“ Damit werden wir spielen.